Weiße Gewänder zu Ostern

Quasimodogeniti 2016Unter der Überschrift „Weiß ist die liturgische Farbe zu Ostern – auch die Gewänder der Täuflinge an diesem Tag“, haben wir im Gemeindebrief an die Taufpraxis der ersten christlichen Jahrhunderte erinnert. Und wir haben aufgerufen, weiße Kleidungsstücke zum Ostergottesdienst mitzubringen. Einige Gemeindeglieder hatten Mut, brachten etwas mit, streiften es über und trugen es eine ganze Woche lang!

Was hat unsere Vorfahren wohl bewogen, so zu handeln, so voller Stolz allen zu zeigen: ich bin ein Christ? In Ihrer Zeit bedeutete die Taufe nicht nur die Aufnahme in die Kirche, sondern auch die Indienststellung als Arbeiter – wir würden heute sagen als Botschafter und Multiplikator – für Christus. Luther meint dazu: „… so werden wir allesamt durch die Taufe zu Priestern geweiht.“ Wie vor dem Beruf die Lehre stand damals vor der Taufe eine Vorbereitungszeit von drei Jahren, in dem die Taufbewerber (Katechumen) eine christliche Unterweisung (Katechetik) erhielten und ihr sittlicher Lebenswandel überprüft wurde. Erst danach erfolgte eine Zulassung zur Taufe und den Gottesdiensten.

Traditioneller Tauftag war Ostern, das Auferstehungsfest Jesus Christus. In der Woche vor der Taufe wurde am Donnerstag gebadet, eine äußere Reinigung. Am Freitag wurde sich durch Fasten auf die Taufe vorbereitet. Am Sonnabend erfolgte ein öffentliches Sündenbekenntnis, die innere Reinigung. Die darauf folgende Nacht wurde mit Beten und Lesen der Bibel verbracht und am Ostersonntag erfolgte die Taufe mit dreimaligem Untertauchen des Täuflings. Als äußeres Zeichen ihres nun neuen Lebens mit Gott streiften sie weiße Gewänder über, die sie eine Woche lang in aller Öffentlichkeit trugen.

Die durch die Woche äußerlich, aber auch innerlich verschmutzten Gewänder wurden dann am darauf folgenden Sonntag, dem Sonntag Quasimodogeniti (wie die neugeborenen Kinder) von den Getauften im Gottesdienst abgestreift und mit all ihrem Schmutz vor Gott gelegt, so dass die Täuflinge wieder rein und untadelig vor Gott und der Gemeinde standen. Was für eine starke Motivation für die Gottesdienstbesuche!

„Ist das wunderbare Geschehen der Wiedergeburt mit der Taufe abgeschlossen?“, fragt Luther im Kleinen Katechismus. Dreimal untertauchen und alles ist erledigt? „Nein“, ist seine Antwort, das Neuwerden ist keine einmalige Angelegenheit. Es geschieht in dem wir uns täglich unserer Schuld bewusst werden, von ihr abkehren und uns immer neu Christus und seiner Vergebung zuwenden. Jeder sonntägliche Gottesdienst bietet uns dazu die Gelegenheit, wenn wir ihn denn nutzen.